Samstag, 21. April 2007

Mint Julep

Der Frühling zeigt sich von seiner besten Seite, die Temperaturen sind überaus angenehm und die Natur gibt Vollgas um möglichst schnell zu ganzer Pracht zu gedeihen. Auf der Terrasse spriessen die Vorboten für den ersten (Minze aus eigenem Anbau, versteht sich) Mint Julep dieser Saison.

Sicher kann man auch im Winter seinen Mint Julep fertigen, allerdings stammt die Minze fast ausschliesslich aus dem Treibhaus und bringt nicht das erwartete Aroma einer sonnenverwöhnten mit sich. Zum anderen verhält es sich mit dem Julep ähnlich wie mit Erdbeeren, man kann welche im Winter bei -20° C kaufen und verspeisen, richtig Spaß macht es allerdings nicht.

Was fehlt ist die Umgebung und der Geist des kommenden Sommers, 2 Komponenten die man keinesfalls vernachlässigen sollte. Da es in unseren Kreisen nur sehr, sehr wenige Bars gibt, die es verstehen einen Julep zu fertigen(viele glauben sie wüssten es und bieten ihn auch an), grenzt der Versuch einer Bestellung eines solchen meistens an russisches Roulette. Es kann funktionieren - muss aber nicht.
Natürlich haben die Meister der Julepfertigung alle ihre eigene Interpretation parat und Kentucky streitet sich seit Jahrhunderten mit Georgia darüber, welche Version die einzig Wahre sei und wem der Ruhm der Erfindung zusteht.

Im Grunde genommen ist alles ganz einfach. Es gibt grob betrachtet zwei grosse Lager, die Einen drohen mit dem Fegefeuer, sollte die Minze im Drink verbleiben und die Anderen beharren darauf das die Minze unbedingt dem Zyklus des Trinkens vom Glasinneren aus beizuwohnen hat. Die richtige Minzart ist ein weiteres Streithema. Spearmint gilt als die richtige Wahl, diverse Kreuzungen taugen nicht für den Mint Julep und sollten vermieden werden.

Weitere Streitpunkte sind zum Beispiel, ob die Verwendung eines Trinkhalmes Pflicht oder Frevel ist und ob es unbedingt ein Julepcup aus Silber sein muss oder ob ein herkömmliches Longdrinkglas die gleiche Funktion erfüllt.
Die Wahl der Spirituose, seinen wir so frei, ist jedem selbst überlassen. Grundsätzlich harmonieren Brandy und Bourbon Whiskey wunderbar mit Minze und haben nicht zuletzt einen historischen Hintergrund. Der gelegendliche Float eines Jamaica Rums sollte toleriert werden und kann ausgezeichnete Ergebnisse hervorbringen.

Wie ist nun ein Mint Julep, passend zum Kentucky Derby am 5.5.2007, zu fertigen?

Mint Julep

Man nehme 3-4 frische in vollem Saft sehende Minzzweige
(bevorzugt die jungen Spitzen!)
6-8 cl besten Kentucky Bourbon Whiskey
(Woodford Reserve, Blantons oder Makers Mark etc. - man vermeide die Produkte welche für deutlich weniger Geld zu haben sind-Qualität hat ihren Preis!)
1-2 BL flüssiger Zucker (tendenziell ist hier weniger mehr!)
crushed Eis!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!(niemals Eiswürfel, die Verwendung von Eiswürfeln wird mit sofortiger Verdammniss bestraft)
Julepbecher oder schmales, möglichst dünnwandiges hohes Longdrinkglas.
(optional sind die Beimengung von 2-3 Tropfen Peach Bitters oder etwas Peach Brandy)

Zubereitung:

Die Minze in das Glas geben und leicht andrücken um die ätherischen Öle freizusetzen und die gesamte Innenwand des Glasses damit aromatisieren. Den Zucker dazugeben und mit crushed Eis zur Hälfte auffüllen. Die halbe Menge Bourbon hinzugeben und mit einem Barlöffel in vorsichtigen auf-und-ab Bewegungen vermengen und gleichzeitig die Temperatur der Mischung zu senken. Man verfahre in gleicher Manier bis das Glas bis zum Rand gefüllt ist, immer etwas crushed Eis, etwas Bourbon, etwas crushed... etc..
Wichtig ist, dass man das Glas nur am Glasboden anfässt! Bei richtiger Beachtung der Schritte, bezieht sich das Glas von aussen mit einer hauchdünnen Eisschicht und ist ein Fest für das Auge!
Am Schluss mit reichlich frischer Minze garnieren( die Stengel frisch anschneiden!) und einen Trinkhalm auf Höhe der Minze kürzen um den intensiven Kontakt der Nase mit der Minze zu erzwingen.
Minze an der Nase und Bourbon am Gaumen-die Saison ist eröffnet!

Für mehr Informationen über den geschichtlichen Hintergrund des Juleps, sei ein Artikel von George Sinclair empfohlen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

besonders wichtig zu beachten: Am Ende muss ein Minzhauch durch den Drink wehen, kein Kaugummi in flüssiger Form entstehen.

goncalo hat gesagt…

... ein Julep ohne Fingerabdrücke ist in der Tat ein einzigartiges Erlebnis.

Für Harry Schraemli ist der Julep der erste "American Drink" nachdem er ihn in einem Kochbuch aus dem Jahre 1540 bereits erwähnt fand.

Mischungen mit Bourbon sind nicht Pflicht. Neben dem erwähnten Cognac, sind auch Rye Whiskey und Brandy de Jerez zu empfehlen.

Freue mich bereits auf den nächsten Gin Julep.

Anonym hat gesagt…

Hier ein kleiner tip um eine schoene eiskruste am den becher zu erzeugen.
man nehme einen bostonshaker und fuellt diesen mit crushed eis und wasser, plaziert den becher darin und vollfuehrt die ganze prozedur mit dem ruehren usw. bei richtigenm verhaeltniss von wasser und eis gibt das ne knackige kruste die einen unschlagbaren visuellen effekt bringt und den drink laenger kuehl haelt.